Traumazentrierte Assistenz
Wir begleiten Menschen, die komplexe Traumatisierungen erlebt haben – individuell, ressourcenorientiert und auf Augenhöhe. Alle unsere Angebote werden auf die jeweilige Person und ihre Bedürfnisse zugeschnitten.
Begleitung im Alltag
Wir möchten dir einen sicheren Rahmen für deinen Alltag bieten.
Durch die Kombination aus qualifizierter Assistenz für deine persönliche Weiterentwicklung und bei Bedarf ergänzender kompensatorischer Assistenz für die sofortige praktische Entlastung schaffen wir ein stabiles Fundament.
So kannst du dein Leben möglichst selbstbestimmt und nach deinen eigenen Vorstellungen gestalten.
Qualifizierte Assistenz
In der qualifizierten Assistenz arbeiten wir grundsätzlich zu zweit – du wirst von zwei gleichberechtigten Fachkräften begleitet. So können wir dir ein verlässliches und tragfähiges Angebot machen.
Wir arbeiten im Hier und Jetzt und entwickeln mit dir gemeinsam neue Perspektiven.
Dabei verbinden wir Fachwissen im Bereich Trauma mit traumaspezifischen Methoden. So unterstützen wir dich individuell auf deinem persönlichen Weg.
Je nach deiner persönlichen Situation begleiten wir dich unter anderem:
- Bei der Bewältigung deiner Alltagsprobleme
- Bei einer selbstbestimmten Lebensgestaltung
- Bei der Überwindung von Konflikten und Krisen
- Bei der Erweiterung deiner sozialen Kompetenzen, dem Aufbau von Selbstvertrauen und der Stärkung deines Selbstwertgefühls
- Im Umgang mit Ärzt:innen, Therapeut:innen, Behörden und Schriftverkehr
- Bei Mobilität und Orientierung
- Beim Erlangen von innerer und äußerer Sicherheit
- Bei der Integration der erlebten Traumatisierungen in eine selbstbestimmte, tragfähige Zukunftsgestaltung
- Bei der Aktivierung deiner Ressourcen und Nutzung deiner Fähigkeiten
- Bei dem Erleben von Selbstwirksamkeit (Ich kann selbst entscheiden, etwas bewirken, gehöre dazu und werde wertgeschätzt.)
In der Arbeit mit Viele-Menschen (Dissoziative Identitätsstruktur) arbeiten wir mit dem gesamten Persönlichkeitssystem. Unsere Angebote passen wir dem jeweiligen Alter, Entwicklungsstand sowie den Bedürfnissen der verschiedenen Persönlichkeiten an.
Dabei verstehen wir uns als Coach für die gesamte Gruppe von Persönlichkeiten. Wir unterstützen Kontakt, Kommunikation und Kooperation untereinander – mit dem Ziel, eigenständiges und koordiniertes Handeln zu entwickeln.
Kompensatorische Assistenz
Wenn ein Trauma den Alltag belastet, können scheinbar einfache Erledigungen vorübergehend oder auch dauerhaft zu einer großen Herausforderung werden. Unsere kompensatorische Assistenz unterstützt dich dabei, konkrete Alltagsaufgaben zu bewältigen. Ohne zu überfordern überbrückt sie Barrieren, die du aktuell allein nicht bewältigen kannst. Sie erledigt Dinge für dich oder mit dir zusammen und sie ist in Momenten, in denen die Kraft fehlt oder die Reize der Umwelt zu viel werden, eine praktische Entlastung und Sicherheit im „Hier und Jetzt“.
- Wir nehmen dir Wege ab oder erledigen Dinge wie den Einkauf mit dir gemeinsam so, dass Stressfaktoren wie z.B. Lärm oder Menschenmengen minimiert werden, wenn wir als Sicherheitsanker dabei sind.
- Wir begleiten dich bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.
- Wenn Flashbacks oder Erschöpfungszustände die Alltagsstruktur erschweren, unterstützen wir dich bei der Hausarbeit und der Zubereitung von Essen.
- Wir unterstützen und begleiten im Aufbau sowie der Gestaltung sozialer Kontakte.
- Gemeinsam können individuelle Angebote entwickelt und unterschiedliche Freizeitaktivitäten erprobt werden wie z.B. Besuch von kulturellen Veranstaltungen wie Kino-, Museen- oder Zoobesuche, Stadtbummel/ Einkauf, Erkundung der Umgebung/ Orientierung im Wohnumfeld, sportliche Aktivitäten, Spaziergänge im Park, Café- oder Restaurantbesuch.
Der Weg zu uns
Damit aus diesem Fundament eine für dich greifbare Unterstützung wird, begleiten wir dich gerne bei den ersten Schritten und in der Antragstellung:
In einem Erst- bzw. Infogespräch stellen wir unser Angebot sowie unsere Arbeitsweise vor und möchten dich kennenlernen. Wir informieren über die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zur Inanspruchnahme unserer Unterstützungsleistungen und sind behilflich bei der weiteren Antragsstellung beim Amt für Eingliederungshilfe in der jeweiligen Kommune. Dort werden auch die sozialrechtlichen Voraussetzungen geprüft und in einem persönlichen Gespräch der individuelle Teilhabebedarf ermittelt sowie Ziele für die Unterstützungsleistung festgelegt. Die Kosten werden, sofern Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschritten werden, in der Regel vom zuständigen Träger der Eingliederungshilfe übernommen. Vor Aufnahme jeder Hilfe muss ein Kostenübernahmebescheid durch die zuständige Behörde über den zu erbringenden zeitlichen Umfang der Leistungen vorliegen.
Unsere Leistungen können auch ohne Antragsverfahren privat als Selbstzahler:in in Anspruch genommen werden.
Wir eröffnen Begegnungsräume:
Wenn wir Trauma erleben mussten, kennen wir das Gefühl der Isolation nur zu gut. Das Vertrauen in die Welt und in andere Menschen kann zutiefst erschüttert sein. Manchmal scheint Rückzug die einzige gefühlte Sicherheit – denn die Angst vor erneuter Grenzverletzung oder Zurückweisung ist groß.
Und doch: Gerade dann kann es unterstützend sein, andere Menschen kennenzulernen, die Ähnliches erlebt und überlebt haben.
In unseren Gruppen können wir erfahren, dass wir nicht allein sind – dass andere „ähnlich ticken" und dass unsere Reaktionen ganz normal auf eine völlig unnormale Situation sind.
Die Viele - Gruppe
Die Viele-Gruppe ist eine angeleitete Gruppe für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstruktur, die einen Raum bietet, sich mit anderen über das Leben als Viele-Mensch auszutauschen und um gemeinsam Wege zu finden, mit dem Viele-Sein zu leben. Zum Schutz aller Teilnehmenden werden in der Gruppe traumatische Erfahrungen nicht thematisiert. Die Inhalte der Gruppe gestalten die Teilnehmenden gemeinsam mit der Leitung. Es kann z.B. um Alltagserfahrungen gehen, Möglichkeiten und Formen der Stabilisierung, Co-Bewusstheit, Innenkommunikation usw. Darüber hinaus wird es Raum geben für unterschiedliche Persönlichkeiten und Spielangebote für kindliche Persönlichkeiten. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine ausreichende Stabilität und Innenkooperation, um eigenverantwortlich an der Gruppe teilnehmen zu können.
Die Freizeitgruppe
Die Freizeitgruppe bietet alle zwei Wochen einen 1,5-stündigen geschützten Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsame kreative Zeit. Ob beim Spielen, Malen, Backen oder einfach bei einer Tasse Tee oder Kaffee - die Teilnehmenden entscheiden flexibel, wie sie die gemeinsame Zeit gestalten möchten - entweder in der gesamten Gruppe oder in kleineren Interessensgruppen. So bleibt Raum dafür, die gemeinsame Zeit ganz nach den eigenen Bedürfnissen und der persönlichen Tagesform mitzugestalten.
Die Ergotherapeutische Gruppe
In der ergotherapeutischen Gruppe gibt es die Möglichkeit, sich mit kreativen und gestalterischen Techniken auszudrücken. Gemeinsam erforschen wir verschiedene Materialien und Techniken z.B. Makramee, Speckstein, Peddigrohr, aber auch Farben und Formen. In einem wertschätzenden und ressourcenorientierten Rahmen kann so Kreativität entdeckt, Ausdrucksmöglichkeit gegeben und Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Die Gruppe bietet Raum, um zur Ruhe zu kommen, zu den eigenen Stärken zu finden und neue Erfahrungen zu sammeln.
Ein Gruppenangebot stellt eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Hilfemaßnahmen dar und soll diese nicht ersetzen. An unseren Gruppen kannst du nur teilnehmen, wenn auch eine Assistenzleistung von uns erbracht wird.
Supervision & Coaching
Für die Arbeit mit traumatisierten Menschen in Betreuung, Beratung oder Therapie kann eine kontinuierliche supervisorische Begleitung hilfreich sein, vor allem aufgrund der speziellen Übertragungs– und Gegenübertragungsphänomene bei traumatisierten Menschen sowie ihrer vielfältigen Ängste vor Bindung und Beziehungen. Traumatisierte Menschen entwickeln häufig eine ganz besondere Art der Übertragung, die traumatische Übertragung, die durch ihre destruktive Kraft die heutigen Beziehungen – auch die zu Professionellen – beeinflusst und Entwicklung erschweren kann. Nicht selten wird das Trauma heruntergespielt, es findet eine Identifikation mit den Täter:innen statt, es gibt ein umfassendes Misstrauen anderen Menschen gegenüber, und es werden Traumainhalte wiedererlebt oder reinszeniert. Professionelle finden sich manchmal in Täter:in–Opfer–Reinszenierungen wieder oder werden in das Leiden ihrer Klient:innen hineingezogen, sodass sie sich selbst als Opfer fühlen. In solchen Situationen ist traumaspezifische Supervision unterstützend.
Für weitere Informationen und Terminvereinbarung wendet euch gerne direkt an uns.
Fortbildungen
Wir möchten mit unseren Fortbildungen Fachkräften unterschiedlicher Berufsgruppen ein Verständnis von Trauma vermitteln, das Ängste nimmt, Mut macht und Handlungskompetenzen vermittelt.
In unseren Inhouse-Fortbildungen schneiden wir die Inhalte auf den jeweiligen Bedarf und das konkrete Arbeitsfeld der Zielgruppe zu. Dabei orientiert sich auch der Zeitumfang an den Fragestellungen der Zielgruppe. Wir vermitteln eine Mischung aus Theorie und Praxis, die im jeweiligen Arbeitsfeld praxisnah umgesetzt werden kann.
Fortbildungsinhalte rund um das Thema Trauma:
- Grundlagenwissen zu Traumatisierungen (Traumatheorie, Physiologie und Hirnphysiologie, window of tolerance)
- Theorie der strukturellen Dissoziation nach Onno v.d.Hart u.a.
- Symptomatik und Diagnostik von Überlebensstrategien/Traumafolgestörungen
- Traumatisierungen und Bindung
- Pädagogische Haltung in Form von Ressourcenorientierung
- Reorientierungs-, Stabilisierungs- und Distanzierungstechniken
- Umgang mit selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität
- Sekundärtraumatisierungen und Selbstfürsorge
- Affektmodulation und Distanzierung mit der Screentechnik
Fortbildungen zu Dissoziativer Identitätsstruktur:
- Ursache, Entstehung, Diagnostik
- Theorie der strukturellen Dissoziation nach Onno v.d.Hart u.a.
- Formen von dissoziativen Spaltungen
- Interventionen im Umgang mit DIS (innere Welten, innere Landkarten)
- Umgang mit den verschiedenen Persönlichkeiten innerhalb des dissoziativen Persönlichkeitssystems
- Persönliche und institutionelle Voraussetzungen
- Täter-Opfer-Reinszenierungen im professionellen Kontakt
- Ritualisierte und organisierte Gewalt und Ausstieg aus diesen Strukturen
- Arbeit mit täteridentifizierten/-täterloyalen Persönlichkeiten
Begleitung von traumatisierten Frauen in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett:
Hebammen sind in ihrem Arbeitsfeld häufig mit den Folgen von Traumatisierungen z.B. in Folge von (sexuellen) Gewalterfahrungen konfrontiert. In dieser Fortbildung werden sowohl Grundlagenwissen zu Trauma vermittelt als auch unterstützende praktische Arbeitsmethoden im Umgang mit traumatisierten Frauen.
- Grundlagenwissen zu Trauma
- Physiologische und hirnphysiologische Grundlagen zu Trauma
- Erkennen der Folgen von Traumatisierungen, die sich in der Schwangerenvorsorge, der Geburtsvorbereitung, der Entbindung oder im Wochenbett zeigen
- Reorientierungstechniken aus dissoziativen Zuständen
- Mit welcher Haltung begegne ich als Hebamme (traumatisierten) Frauen in meiner Arbeit?
- Entwicklung von Möglichkeiten in der praktischen Tätigkeit der Hebammen diese Haltungen umzusetzen (unter Berücksichtigung von Triggern)
- Gruppenimaginationsübungen aus der Traumatherapie als Beispiel für die Hebammenarbeit in der Geburtsvorbereitung
- Chancen und Grenzen der Hebammenarbeit (wo und wie kann ich durch meine Arbeit traumatisierten Frauen positive Erfahrungen ermöglichen, wo sind meine Grenzen, und wo sollte ich weiter verweisen?)